Die Misere mit der Bildungsmisere

Bildungsmisere

Kurze Frage: Was stimmt den mit den ganzen Dreckskindern nicht? Werden die tatsächlich immer blöder oder ist das ein subjektiver Eindruck? Oder hat das am Ende tatsächlich mit den bösen Medien zu tun? Und damit, dass die 24/7 vor der Glotze und der Playstation hängen. Und natürlich vor dem Internet und sich irgendwelche obskuren Arschfickpornos reinziehen? Mit 12! Oder ist das womöglich die Ouvertüre zu einem Stück mit dem Titel „Abendland 4.0“?

Hat jemand mal Huxley gelesen? Und den SCHEISS auch noch verstanden? Denn darauf steuern wir zu. Und zwar nicht seit gestern, sondern sehr gezielt und seit Jahrzehnten. Denn darum geht es doch bei der Einteilung junger Menschen in dumm, weniger dumm und gerade clever genug, um zu merken, dass man cleverer ist als die Dummen und die nicht ganz so Dummen. Und darauf kann man dann tüchtig stolz sein. Darauf, dass man das Gymnasium besucht. Und sogar G7 macht. Darauf, dass man mit seinen 12 Jahren schon einen entspannten 14-Stunden-Tag hat, und dass nur, um mitzuhalten in einem Wettrennen, dass am Ende nur einen Gewinner kennt. Das ist nur keiner der Teilnehmer.

Das ist nicht der Einserschüler Bildungsmiseremit LK Mathe und Physik, der auch noch in der Mechatronik AG (WTF) ist und wenn er dann um 16:00 Uhr heim kommt und um 17:30 mit den Hausaufgaben durch ist, so richtig Bock hat, noch eben zwei Stunden Fußballtraining dranzuhängen. Und das ist auch nicht der, der in der Realschule so mischwimmt und eigentlich ganz happy ist, wenn es zu einer Drei reicht und nachmittags die Hausaufgaben vergisst und dafür lieber ein bisschen WOW zockt (oder was bei der Jugend sonst so hip ist …). Und das ist ganz sicher nicht der Hauptschüler, dem man nur beibringt bis drei zu zählen, weil der Zahlenraum ab vier doch eher was für die cleveren Kids aus der Realschule ist und der die Schule, seine Mitschüler, seine Schulkameraden und seine Eltern abgrundtief hasst und nicht mal in Worte fassen kann warum, weil – richtig – man ihm auch das nicht beibringt.

Es ging um den Gewinner …

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Der Gewinner dieses grotesken Wettlaufs der Elite der Zukunft ist die Wirtschaft. Denn sie bekommt maßgeschneiderte Angestellte: Ein paar Volldeppen, die Lernen eh schon immer KACKE fanden und froh sind, dass die ROTZE mit der Schule endlich rum ist und happy sind, dass es für das Feierabend FAXE reicht, für die Produktion. Denen ist dann auch das mit dem Arbeitsschutz und den Arbeitnehmerrechten und so weiter ziemlich Latte. Ändert sich ja nichts. (Wo sie Recht haben …) Dann bekommt die Wirtschaft noch ein paar Verwaltungsspastis, die wiederum heilfroh sind, nicht in der Produktion ackern zu müssen, und sich mit den Jungs aus der Halle auch nichts zu sagen hätten. Und dann kriegen die noch ein paar dummstudierte B.A.s, M.A.s, M.B.A.s und was da sonst noch an Abkürzungen durch deutsche Universitäten, Fachhochschulen und Akademien rennt. Und die sind auch wieder happy wie Sau. Nämlich, dass sie den Verwaltungsspastis was sagen dürfen und die den SCHEISS dann machen müssen. Ist das nicht super? Wenn man was sagt, wird das gemacht. Also das ist doch mal ein echtes Lebensziel.

Dieser ganze Käse wird wohl so eine Bildungsneurose sein. Oder doch anerzogene Arroganz? Eine planmäßige und frühe Aufspaltung der Gesellschaft in Subkulturen, die möglichst wenig miteinander zu tun haben (wollen). Eine perfide Selektierung, eine Schwächung gesellschaftlicher Integrität. Eine Abkehr von jeglicher Solidarität und eine notwendige und – umso schlimmer – solide Basis für eine Politik der strategischen Aus- und Abgrenzung. Und zwar innerhalb der Gesellschaft selbst. Da gibt es immer noch eine Gruppe, über die man herziehen kann. Der Harzer ist froh, dass er kein Asylant ist, der Ausbeutungsangestellte, dass er nicht vom Amt leben muss, der Verwalter, dass er sich nicht das Kreuz brechen muss, der Mittelmanager, dass er die Zahlen nicht alle selber in Excel hacken muss und auch der Chef findet’s eigentlich ganz geil, dass ihm seine Führungsetage den Rücken frei hält. Eigentlich alles gar nicht so schlecht, nur fußt dieses ganze System nicht auf dem kollektiven Willen, gemeinsam voranzuschreiten, sondern auf dem Individualantrieb, möglichst viel Platz zwischen sich und seine Verfolger zu kriegen. Dass bloß keiner auf den Trichter kommt, man hätte irgendwas mit denen da unten gemein.

Das Gemeinschaftsgefühl konzentrieren

Das bedeutet, unser System Bildungsmisereist nichts anderes als der erfolgreiche Export eines Prinzips, mit dem auch Konzentrationslager geführt wurden, in die Privatwirtschaft. Zusammenrottung verhindern, Einzelnen grundlos eine Sonderstellung geben, Neid schüren, Sonderbehandlung und am Ende doch nur den Schweiß und den Ertrag der Hoffnung auf bessere Zeiten abschöpfen, ohne dass diese Zeiten jemals wirklich kommen.

Und weil jeder quasi mit der Einschulung Teil des Systems ist, ein funktionierendes, aber austauschbares Rädchen, und weil der Gesamtplan der Machthaber nur das Ziel des Machterhalts – und zwar ganz offenbar um jeden Preis, auch um den der völkischen Entmündigung – verfolgt, und weil damit nach und nach die Grundlage für eine Diktatur geschaffen wird, funktioniert das Ganze. Eine Demokratie, die nur noch leere Hülle ist für eine Autokratie. Also aus sich selbst heraus.

Und die große Befürchtung ist, dass der Punkt, an dem eine Umkehr möglich gewesen wäre, längst überschritten ist. Das zeigt sich allein darin, dass die aktuelle Generation von Politikern unterm Strich selbst Produkt des Systems ist. Selbst von der Bildungsmaschinerie gefertigt wurden. Eine unfähige Kanzlerin? Produktionsstraße C! Ein kreuzdummer Verkehrsminister? Sie haben Glück, wir haben gerade unser Spitzenprodukt herausgebracht! Ein seniler Tattergreis im Rollstuhl, der kaum noch mitbekommt, was um ihn herum passiert? Da haben Sie Glück, das ist ein Auslaufmodell. Gleich im doppelten Sinne.

Bildungsmesere

Das alles endet im Kollaps. In der Implosion des Systems, weil die Erbauer längst tot sind. Das bedeutet wir treiben verlassen von unseren Schöpfern umher und halten eine destruktive Maschine allein deshalb am Leben, weil sie eben irgendwie schon immer da war. Den Blick über den Tellerrand, die Idee des Infragestellens, das Moment wahrer Inspiration und die Strahlkraft eigener, originärer Initiative stehen nicht auf den Lehrplänen und sind damit zukünftig nicht länger Bestandteil unserer Gesellschaft.

Und deswegen treten wir auf der Stelle. Allein deswegen wachsen Unzufriedenheit und Gleichmut im Gleichtakt. Deshalb etabliert sich eine Kultur des Wartens. Und deshalb sind wir selbst die Henker unserer eigenen Hoffnung auf Katharsis und soziale Reinkarnation. Danke für gar nichts, Bildungsmisere.

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